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Kategorie: Aus den Medien
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Glücksbringer unterwegs in der Eulachstadt

Verstopfte Kamine sorgen für kalte Füsse oder können zu lebensgefährlichen Rauchvergiftungen oder gar zum Tode führen. Der Kaminfeger sorgt also mit seiner Arbeit nicht nur für warme Füsse, er verhindert auch Brände.

Aus diesem Grund gilt er seit jeher als Glücksbringer. So auch Willy Peter aus Kleinandelfingen.

Willy Peter aus Kleinandelfingen ist seit 30 Jahren Kaminfeger, seit 10 Jahren führt er seine Firma in Winterthur-Töss mit einem Angestellten. Überall dort, wo man feuert, kommt er früher oder später zum Einsatz. Sein Einzugsgebiet ist die Stadt Winterthur und die Dörfer rund herum. «Ich kümmere mich um Kamine, Holzöfen, Kachelöfen, Cheminées, Ölheizungen und Gasanlagen.» Zu seiner Kundschaft gehören Vermieter, Hauseigentümer, aber auch Schulen und Firmen. Für ihn ist der Kaminfegerberuf ein Traumberuf, auch wenn der Alltag viele körperliche Strapazen mit sich bringt.
Über die Jahre habe sich das Berufsbild des Kaminfegers aber stark verändert. «Es ist viel passiert, vor allem im technischen Bereich», erklärt der Kaminfeger «Pelletheizungen beispielsweise, die gab es vor zehn Jahren noch nicht. Die Anzahl an Gasheizungen ist stark angestiegen. Der neueste Trend ist übrigens Fernwärme.» Für Willy Peter bedeutet dies vor allem, dass er sich immer weiterbilden muss. «Am meisten lernt man aber in der Praxis, wenn man täglich rausgeht.» Der Austausch mit anderen Kaminfegern sei ebenfalls sehr wichtig. Fehlender Nachwuchs Administrative Arbeiten würden heute einen grösseren Stellenwert einnehmen als früher. «Alles muss belegt werden, bald jeden Arbeitsschritt muss ich dokumentieren. Das ist viel Zeit, die ich vor dem Computer verbringe.» Als Willy Peter die Kaminfegerlehre machte, da habe es noch keinen Computer gegeben. «Die elektronischen Hilfsmittel sind auch praktisch, vor allem dann, wenn es um das Erfassen von Kundendaten geht.»

 


Wer Kaminfeger werden möchte, der muss eine dreijährige Berufslehre machen. Trotz seinem guten Ruf und den positiven Assoziationen, die der Kaminfegerberuf hat, an Nachwuchs mangelt es. «Viele Junge möchten sich die Hände nicht schmutzig machen und arbeiten lieber im Büro.» Nicht schmutzig zu werden, ist als Kaminfeger schwierig. «Am Morgen, wenn wir vor sieben Uhr in die Werkstatt kommen, ziehen wir unsere Arbeitskleidung an. Danach reiben wir uns die Arme mit einer ölabstossenden Creme ein.» Nach einer Besprechung mit seinem Mitarbeiter gehen die zwei Kaminfeger auf Tour. Das Auto wird schon am Vorabend bepackt. «Wir versuchen pro Tag möglichst wenige Kilometer zu fahren, also möglichst viele Kunden im gleichen Quartier zu besuchen.» Um zirka 7.15 Uhr wollen sie bei den ersten Kunden sein. Unterwegs sind Willy Peter und sein Mitarbeiter allein. «Ausser auf Grossanlagen sind wir auch zu zweit oder zu dritt.» Mühsam seien immer häufigere kurzfristige Terminabsagen, beispielsweise am Vorabend um 22 Uhr. «Das bringt den Tagesplan durcheinander. Dank den vielen Wunschterminen fahren wir sinnlos in den 30er- und 20er-Zonen mehrfach quer durch die Stadt. Dies verunmöglicht Pünktlichkeit und verteuert die Arbeit!» Persönlich anwesend sein muss man nicht, wenn der Kaminfeger vorbeikommt. Willy Peter kann nicht verstehen, wieso man den Schlüssel nicht wie früher bei einem Nachbarn deponiert. «Ich hatte öfters mal den Fall von Rentnern, die hätten diese Aufgabe gerne übernommen, aber die Nachbarn wollten sie nicht belästigen. Das finde ich schade.» Es gebe aber doch noch unkomplizierte Kundschaft. «Die deponieren den Schlüssel an einem abgesprochenen Ort. Bei Bedarf kontaktiere ich sie telefonisch. Tagsüber sind alle berufstätig, das ist normal.»Die Reaktionen auf den Besuch des Kaminfegers seien unterschiedlich. «Vor allem Kleinkinder sind manchmal ängstlich. Und dann, ein Jahr später, möchten sie alles ganz genau wissen.» Einmal, da sei ein Junge direkt in sein Zimmer verschwunden, als der Kaminfeger sich an die Arbeit machte. «Kurz bevor ich gehen wollte, kam er wieder und schenkte mir eine Zeichnung.» Abfallsäcke im Kamin. Als Kaminfeger sieht er manchmal Dinge, die er lieber nicht sehen möchte. «Abfallsäcke zum Beispiel. Aber das lohnt sich sowieso nicht. Wer die Abfallmarken sparen möchte, ist hier auf dem Holzweg. Es muss nur ein Nachbar eine Klage bei der Polizei machen und das Ganze zur Anzeige bringen, das könnte dann teuer werden.» Eigentlich ist es auch die Pflicht des Kaminfegers, solche Verstösse zur Anzeige zu bringen, wenn jemand etwas verbrennt, was nicht in den Ofen gehört. «Ich suche aber zuerst das Gespräch, und versuche aufzuklären, bevor ich jemanden verzeige.»Auch wenn seine Kleidung und seine Hände abends oft russ- und ölverschmiert sind, als gesundheitsschädlich würde er den Beruf nicht bezeichnen. «Ich habe noch von keinem Kaminfeger gehört, der berufsbedingt gesundheitliche Probleme hatte, beispielsweise mit der Lunge.» In heiklen Situationen würde man einen Mundschutz tragen. Wieso aber werden die Kaminfeger immer mit dem grossen schwarzen Zylinder abgebildet? «Diese Zylinder haben sie früher tatsächlich getragen, und das hatte praktische Gründe», erklärt er. «Der Zylinder diente zur Aufbewahrung und für den Transport von Schreibutensilien und Zetteln mit Notizen. Im Zylinder waren sie vor Wind und Regen geschützt.»
Christine Buschor Stadtanzeiger 22.9.15 Rubrik Zeitsprung
Weitere Informationen:
www.pfeiferkaminfeger.ch